München Marathon

08. Oktober 2017

Aja, der München Marathon! 5 Tage liegt er nun hinter mir und ich denke ich kann ganz zufrieden sein obwohl ich mein Ziel nicht erreicht habe. Aber mal von vorne…

Was habe ich mich gefreut, endlich mal wieder einen Marathon laufen zu dürfen. Nicht dass mir die letzten Triathlon Wettkämpfe keinen Spaß gemacht hätten, nein, das waren wirklich tolle Erlebnisse, jedoch sind die Ergebnisse hier schlecht vergleichbar da jeder Wettkampf doch andere Anforderungen mit sich bringt. Mal hast mehr oder weniger Berge auf der Radstrecke, mal schwimmst du im See, mal im Meer und manchmal kommt auch ein Landgang hinzu, der die Zeiten wieder etwas verfälscht. Der herkömmliche Marathon jedoch ist immer 42,195km lang und wenn du im Ziel bist, kannst du das ganz gut mit anderen Läufen vergleichen.

Da ich jetzt jedoch meinen letzten von 1,5 Jahren in Wien gelaufen bin, wusste ich gar nicht was mich erwarten würde. Sicherlich: Ich habe in der Zeit viel trainiert aber eben 3 Sportarten! Radfahren und Schwimmen hatten sicherlich einen gewissen Fokus, wobei in unseren Trainings natürlich immer auch gelaufen wird. Ist und bleibt irgendwie doch für die meisten die Hauptsportart im Triathlon, zumindest kommt mir das so vor…

Natürlich musste ich hier erst Ralf fragen ob die Idee, nun einen Marathon zu laufen so gut ist, denn ich weiß, dass dieser schon sehr kräftezerrend ist und mich im eigentlichen Triathlon Training schon auch wieder 2 Wochen zurückwerfen würde, weil ich einfach erst ein bisschen regenerieren müsse. Trotzdem war ich Feuer und Flamme für diesen Wettbewerb und als feststand, dass meine Mama einen 10km Lauf, Steffi den Halbmarathon und mein bester Freund Peter auch einen Marathon in München laufen würde, gab es für mich eigentlich keine zweite Meinung mehr. Die von Ralf war natürlich trotzdem wichtig für mich, denn ich wollte das Hauptziel „IRONMAN BARCELONA 2018“ nicht gefährden. Als er das Vorhaben abgenickt hatte, hatte ich nur noch gute 3 Wochen Zeit mich für den Lauf vor zu bereiten. Ralf hat dann auch meine Trainingsplan dementsprechend angepasst und ihn natürlich lauflastiger gestaltet.

Diese 3 Wochen hatten es tatsächlich in sich und forderten mich tatsächlich auf einem anderen Niveau. Teilweise ging es auch wieder muskulär an gewisse Grenzen und ich musste nach jedem Training auch die Blackroll einsetzen und diverse Wadel-Massagen an mir vornehmen um nicht schon wieder einen Muskelfaserriss einzufangen aber auch hier bin ich allmählich erfahrener und hatte das ganz gut im Griff.

Nebenbei holte ich mir natürlich noch den ein oder anderen Tipp bezüglich Ernährungsstrategie, denn wenn man über 3 Stunden powert, muss natürlich der Körper mit Energie versorgt werden, da man sonst ziemlich schnell eingeht und das Rennen schneller zu Ende als einem lieb ist. Da der Körper bis zu 80g Kohlenhydrate in der Stunde aufnehmen kann habe ich mich für eine stetige Versorgung entschlossen, was heißen sollte, alle 30 Minuten ein Gel auf zu reissen und alle 4,5 Minuten, wenn die Uhr einen neuen Kilometer gemeldet hat, daran zu nuckeln. Im Training habe ich das 1-2 Mal versucht und festgestellt, dass ich ca. 6x saugen kann, bis das Ding leer ist. Somit sollte ich gut versorgt sein und weil ich auch noch alle 8km ein Iso-Getränk an der Eigenversorgungsstelle abgestellt hat, sollte eigentlich auf dieser Ebene nichts anbrennen.

Tja - nun war es soweit: RACEDAY
Als ich also früh morgens zum Start gefahren bin, wusste ich nicht ganz, was ich von dem Wetter halten sollte, da es schon sehr durchwachsen war und auch leicht genieselt hatte. Grundsätzlich ist einem so ein Wetter zwar meist lieber als 32 Grad aber es war auch schwer die richtige Kleidung zu finden. Vorab: Ich war zu warm angezogen! Was aber am meisten nervte, war der Wind mit bis zu 25km/h, denn der kann einem schon den Spaß verderben, gleich dazu mehr.

Am Start musste ich dann erst noch meinen Pacerunner finden, der mich und ca. 20 andere Läufer mit meiner Wunschzeit von 3:15 Stunden ins Ziel bringen sollte. Ralf meinte, es sei ganz clever, hinter dieser Gruppe zu laufen und somit nicht nur den Windschatten ab zu bekommen sondern auch stressfrei in den Flow zu kommen und nicht ständig auf die Uhr schauen zu müssen ob denn das Tempo stimmt. Ich habe das noch nie gemacht, jedoch war das bezüglich des Wetters schon mal eine sehr gute Idee, wie sich rausstellen sollte. Für meine Wunschzeit musste ich den Kilometer in 4:35 Minuten absolvieren, was tatsächlich schon ein sehr schneller Schritt für mich ist. Aber irgendwie traute ich ihn mir zu obwohl ich keinen Maßstab hatte. Ich mein: 3:15 Stunden wären eine Verbesserung meiner Personal Best in Wien von 22 Minuten. Wäre das möglich? Ich war mir absolut sicher, das ohne weiteres ins Ziel zu bekommen!!

Die ersten Kilometer in der Gruppe liefen sich gut und ich fühlte mich pudelwohl, wenn auch die Klamotten wirklich ein klein wenig zu warm waren und ich mich schnell von Handschuh und Mütze verabschiedet habe. Es war schön in der Gruppe zu laufen, weil hier doch schon eine gewisse Professionalität herrschte und wir trotz engstem Platz niemals aneinander gerieten da jeder den gleichen Rhythmus gelaufen ist. Bei Kilometer 10 kamen jedoch schon erste kleine Zweifel im Kopf auf, ob ich das Ganze tatsächlich noch 3x so weit packen könnte. Dann Kilometer 21, also die Hälfte und die Feststellung, hm, das sollte irgendwie doch machbar sein, wenn auch eine gewisse Anstrengung nicht von der Hand zu weisen war. Teilweise rannt ich dann sogar vor der Gruppe, was sich als ersten Fehler abzeichnen sollte. Denn der Wind hatte mich zu diesem Zeitpunkt sehr beschäftigt und auch die paar Sekunden, die ich hier schneller gelaufen bin waren wohl nicht allzu vernünftig durchdacht. Ich weiß nun selber gar nicht mehr, wie es dazu gekommen ist, dass ich die Gruppe ca. 30 Meter hinter mir ließ. Ich glaub das hat sich an der letzten Versorgungsstation ergeben wo ich durch meine positionierte Trinkflasche einfach weniger Zeit verloren hatte, als der Rest der Truppe. Dann stellte sich mir die Frage, jetzt einfach stehenbleiben bis sie wieder da sind oder langsamer werden. Da sich auch meine Blase meldete, dachte ich mir, ich nutze den Vorsprung für einen kurzen Sprung hinter den Busch und während ich so mein Geschäft verrichtete, lief auch schon die Meute schnellen Schrittes an mir vorbei und ich dachte mir „Shit“ jetzt aber schnell um den Anschluss nicht zu verlieren. Hier nun aufzuschließen kostete mich wohl zu diesem Zeitpunkt sehr viel Kraft, was ich 4 Kilometer weiter, also bei KM30 dann letztlich richtig büßen sollte, denn es hat mir einfach klassisch den Stecker gezogen. Ich musste stehenbleiben und weiß nicht warum. Aus, Ende - der Gaul bockte und wollte keinen Meter mehr weiterlaufen. Dahin waren sie, die Träume meiner neuen Bestzeit!

Dieser Frust ist erstmal schwer zu verdauen aber, hey, was solls, ich könnte ja immer noch eine Spitzenzeit ins Ziel bringen! Also weiterlaufen, denn was anderes blieb mir ja eh nicht über. Aber ich hatte tatsächlich ein wenig Bammel, denn einfach mal stehenbleiben kannte ich zwar aber nicht 12 Kilometer, sondern maximal mal 5 Kilometer vor dem Ziel. Mist! Was soll das noch werden? Naja, ich kann es Euch schon sagen: Es kamen weitere 10 (!) kurze Gehpausen und ich hatte jegliche Hoffnung einer guten Zielzeit ad acta gelegt. Mir gemütlich meine Kopfhörer aus der Hosentasche gezogen und zur Motivationsspritze „Musik“ gegriffen.

Ich drehte mich ständig um, da ich mir sicher war, dass  mich gleich der Pacerunner mit der 3:30 Stunden Zielzeit überholen würde aber plötzlich sah ich bei einer Kehrtwende meinen Freund Peter, der eben genau diese Zielzeit anvisiert hatte auf der anderen Strassenseite entgegenkommen. Kurzzeitig kannte ich mich gar nicht mehr aus, dachte ich doch, „ohje, jetzt ist der sogar schon vor mir - wann wurde ich überholt?!“, bis ich erkannte, dass ich dann doch wohl noch einen gewissen Vorsprung gegenüber dieser Gruppe hatte. Ich wollte nämlich nicht mehr auf die Uhr sehen, weil es mich demotivieren würde. Dann wagte ich doch einen Blick und war positiv überrascht, dass mich die Pausen wohl nicht gänzlich zurückgeworfen hatten und ich immer noch was passables leisten könnte. Also Beine in die Hand - weiter geht’s!!!

Irgendwie fiel dann Kilometer für Kilometer, die Krämpfe setzten ein aber dann hörte ich schon wie das Olympia Stadion aus nächster Nähe nach mir rief! Also, jetzt bloss nicht mehr stehen bleiben und hoffen, dass ich die Zielzeit mich irgendwie noch zufrieden stimmen würde. War schon sehr gespannt was da letzten Endes auf der Tafel steht. Rein in den Tunnel des Olympiastadions, dann noch die 300m auf der Tartanbahn absolvieren, witzige Fotos schießen lassen und ab ins Ziel.

Da stand sie dann, die 3 Stunden 25 Minuten wo ich irgendwie nicht wusste ob sie mich nun freuen oder ärgern sollen. Aber ziemlich schnell war ich mir sicher, dass es mich freut, in der Offseason, nach den eigentlichen Wettkämpfen dann untrainiert meine alte Bestzeit um 12 Minuten geschlagen zu haben. Klar - ich wollte mehr - aber man muss die Kirche um Dorf lassen, denn es war einfach nicht mehr drin. Mir ist es auch irgendwie lieber, es versucht zu haben und dabei kurz eingegangen zu sein, als das Ding „gemütlich“ heim zu schaukeln. Irgendwie gehe ich einfach gerne ans Limit, denn sonst macht das doch irgendwie alles keinen Sinn :-))

Na dann werde ich die Wettkampfsaison 2017 hiermit beenden und den nächsten Marathon wohl erst im Zuge des Ironman nach den bekannten 180km Rad und dem knapp 4km Schwimmen im Meer laufen dürfen. Dann aber eher in einem Bereich um die 4 Stunden und hoffentlich weniger als 10 Gehpausen!

In dem Sinne - bleibt sportlich,
Euer Tria… äh, MaraTOM ;-)
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